Photokina- ein Zukunftsmodell?

Und, wie ist die Stimmung?

Dies war sicherlich unter den Fachbesuchern der zurückliegenden photokina eine der meistgenutzten Begrüßungsfloskeln. Jetzt, kurz nach dem die Messe ihre Pforten für dieses Jahr geschlossen hat, können wir die Diskussion in zahlreichen Kommentare zur Messe, die früher mal die Leitmesse der Fotografie gewesen ist, weiter verfolgen.

Schon im Vorwege wurde viel diskutiert, und nicht nur die Kritiker waren sicherlich vom Besucherandrang während der Messetage begeistert.

Schon am ersten Messetag meldeten die meisten Aussteller Full House. Das Interesse an der Fotografie schien enorm hoch. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass die Mehrzahl der Besucher auf Einladung der ausstellenden Firmen, mit Freikarten auf Messebesuch kamen, so sind sie ja doch interessiert, und nicht zur Messe gekommen weil sie kein Zuhause haben.

Waren in den vergangenen Jahren noch die Publikumsstühle bei den zahlreichen Vorträgen leer geblieben, und wurden maximal dazu genutzt die Pausenbrote zu vertilgen, so war in diesem Jahr auch hier ein Riesenandrang zu erkennen. Die Vorträge waren dieses Mal kein nervendes Störgeräusch, sondern vielfach gezielter Programmpunkt vieler Besucher.

Und auch an Neuheiten geizten die angereisten Aussteller nicht. Drei neue Kamerasysteme, eine neue Objektivallianz und einige neue Kameramodelle sorgten für ein Produktfeuerwerk.
Das Interesse und das Angebot an der Fotografie, und allem Drumherum, war riesig.

Auch wenn der Erfolg der Messe auf den ersten Blick augenscheinlich wirkt, so muss man genauer hingucken. Dieses Jahr kamen lediglich 180.000 Besucher an 4 Messetagen, während es vor 2 Jahren an 5 Tagen noch 191.000 waren. Wer vor Jahren noch an allen Stellen der Stadt erkennen konnte, dass Photokinazeit ist, und Werbeflächen für Aussteller nur nach jahrelanger Wartezeit verfügbar waren, gab es dieses Jahr kaum noch die vielen bunten Flaggen und Taxiwerbungen zu sehen, die vor Jahren noch das Stadtbild zur Messezeit beherrschten. Und auch die vielen Besucher, die nach der Messe die Altstadt bevölkerten, und anhand der vollen Werbetüten erkennbar waren, fehlten fast gänzlich.

Ein Fazit der Messe dürfte durchaus positiv ausfallen. Die Verantwortlichen haben hier einen tollen Job gemacht. Dies darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es die nächste photokina, bereits in 7 Monaten, schwer haben wird.

Das Geld in der Fotoindustrie sitzt nicht mehr so locker und große Messeauftritte dürften weitgehend der Vergangenheit angehören. Viele Hersteller fehlten dieses Jahr, weitere Hersteller halten sich für die Buchung der nächsten Messe zurück, und auch die knapp 10 Aussteller mit den Riesenflächen werden dies bei der nächsten Messe wohl so nicht mehr so buchen. Viele Flächen blieben in den wenig übriggebliebenen Hallen leer und wurden durch Bildertafeln gefüllt. Fotoausstellungen von Qualität waren an einer Hand zu zählen und die schreibende Presse wurde, trotz vieler Leerflächen in den Hallen, an den Rand verbannt, wo sie kaum besucht wurden. Obendrauf werden die Hallen 1 und 2 nächstes Jahr nicht mehr zur Verfügung stehen. Gerüchte sagen, dass der Platz für Parkhäuser für die neu entstehenden Hochhäuser in direkter Nachbarschaft zur Messe weichen sollen. Aber wie gesagt, dies ist ein Gerücht, die Messe selber beteuert, dass die Hallen umgebaut und modernisiert werden.

Ja photokina quo vadis. Schon längst nimmt kaum noch jemand eine lange Anreise aus Hamburg, Berlin oder München in kauf, wo doch zunehmend viele lokale Veranstaltungen über das gesamte Jahr hinweg die Neuheiten der Fotoindustrie präsentieren. Vielfach sind dies bereits Fotoevents mit Kultcharakter, wie z.B. das Umweltfotofestival Zingst, Photo & Adventure Duisburg oder die Wunderwelten am Bodensee, um nur einige zu nennen. Hier lebt die Freude an der Fotografie. Produkteschau ist da eher die Nebensache, vielmehr steht hier das aktive Fotografieren mit zahlreichen Workshops im Mittelpunkt. Hier sind Aussteller und Besucher entspannt und treffen sich oft nach den offiziellen Öffnungszeiten an den zahlreichen Fotolocations, nicht selten um das gerade erworbene Equipment auszuprobieren.

Die Fotografie erfindet sich gerade neu, und Fotografen lieben es sich zu treffen, zu unterhalten und gemeinsam die Passion Fotografie auszuleben. Auch wenn die Organisatoren der photokina sich viel Mühe gegeben haben, so lässt sich die Stimmung eines Fotofestivals nicht einfach einpacken und in eine Messehalle importieren.

 

Die photokina im Mai 2019 wird es zeigen …

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