Gedanken zum Ende der Hamburg Freezers

HAMBURG…….. FREEZERS

…so schallte der Fangesang durch die Arena am Hamburger Volkspark und wird jetzt trotz einer tollen Aktion von vielen Beteiligten wohl für immer verklungen bleiben.

Zeit für ein paar persönliche Gedanken aus meiner ganz subjektiven Sicht.

Vor fast 15 Jahren kaufte sich der Betreiber einer neuen Mehrzweckhalle mit dem Eishockeyteam Hamburg Freezers gleich einen Dauermieter mit. Letztlich war es aber eine Lizenz eines Münchener Vereins, die erworben wurde, um in der DEL mitspielen zu dürfen.

Es wird dabei oft von einem Verein gesprochen, es ist aber nichts anderes als ein Wirtschaftsunternehmen welches hier Eishockey als sein Geschäft betreibt, und als einziges Ziel die Gewinnmaximierung anstrebt. Die Beziehung zu den Fans wurde ganz besonders gepflegt, sind es doch die Kunden, die der Firma Geld einbringen.

Aber leider war es nicht genug Geld welches eingenommen wurde. Trotz des Angebotes an Geschäftspartner ihre Werbung gegen Gebühr platzieren zu dürfen, neudeutsch auch Sponsoring genannt, reichte das Geld nicht aus die Betriebskosten der Firma Hamburg Freezers zu decken. Und so verlor der Inhaber dieser Firma letztlich die wirtschaftliche Lust dieses Geschäft weiter zu betreiben und hat den Geschäftsbetrieb eingestellt.

Trotz aufopferungsvoller Aktionen einiger betroffener Angestellten und vieler Fans war das Aus schon lange vorher besiegelt, und der Erwerb einer Lizenz für das Jahr 2016 / 2017 war wahrscheinlich nie eine Option.

Eine ähnliche Aktion hatte Jahre zuvor mit dem FC St. Pauli einen glücklicheren Ausgang genommen. Hier waren es nicht nur die Fans, sondern auch die Führung des Vereins, der für alle mehr als nur ein Geschäft war. Dieser Verein hat eine Seele, und zwar auf allen Ebenen. Bei den Freezers waren es einige Angestellte, einige Spieler und vor allem die Fans die eine Seele haben, der Großteil der Spieler waren Legionäre die vom Geschäftsführer nach Belieben und Budget gekauft und verkauft wurden. Dabei war die Zeit meist viel zu kurz um ein Team zu bilden, denn schnell drehte sich wieder das Personalkarussel. Dabei waren es oft nur wenige tausend Fans, die regelmäßig zu den Spielen kamen. Oft war die Arena in den letzten Jahren trotz Werbemaßnahmen und günstigen, zum Teil auch kostenlosen Karten, nur zur Hälfte besetzt, und viele Gelegenheitsbesucher waren fasziniert von diesen brüllenden und nicht müde werdenden blau/weiß gekleideten Akteuren auf den Zuschauerrängen, und genossen diese Show mit Namen Eishockey.

Unterm Strich reichten weder sportliche Leistung noch Anzahl zahlender Gäste den teuren Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Denn teuer im Unterhalt war diese Firma. Ein Praktikum bei anderen Eishockeyteams hätte evtl. helfen können eine Menge Geld zu sparen. Und so kam es wie es kommen musste, der Betrieb schließt

Was ist geblieben? Eine Menge enttäuschte Fans, die künftig eine neue Freizeitbeschäftigung suchen müssen, einige Angestellte, die hoffentlich schnell eine neue Anstellung finden werden und ein Investor aus Amerika, der jetzt für die Auslastung seiner Halle sorgen muss, was mit Sicherheit ein großes Problem sein wird.

Meine Hoffnung ist, dass sich bei vielen enttäuschten Menschen die Einsicht einstellt, dass es an ihnen liegt über sein oder nicht sein zu entscheiden.

Einmal ein Schauplatzwechsel. In Deutschland gibt es eine bekannte Firma. Unter dem Namen Karstadt wird eine Kaufhauskette betrieben. Eigentlich müsste das Unternehmen schließen, aber hier sind es Angestellte, die unter großen Entbehrungen tagtäglich die Firma am Laufen halten, und es gibt eine Geschäftsführung mit Visionen. Aber wenn die Kunden (in anderen Firmen auch Fans genannt) ausbleiben, hilft alles Gerede nichts mehr, dann muss auch dieser Betrieb schließen, und es wird sehr viel dramatischer sein als bei den Freezers.

Und was ist mit den Musicals die in Hamburg kommen und auch wieder gehen? Phantom II geht, Stage Entertainment schließt die Musicalschule und auch hier gibt es viele neue Arbeitslose – aber wird Hamburg als Musicalstadt untergehen?

Oder was ist mit dem Fachgeschäftesterben in Hamburg? Über kurz oder lang werden sich nur noch große Ketten die teuren Mieten in dem Innenstadtlagen leisten können. Geht Hamburg deswegen als beliebtes Ziel für Einkaufsreisen unter?

Das hat hier nichts zu suchen und der Vergleich passt doch gar nicht? Mag sein, aber alles sind Wirtschaftsunternehmen und haben eine Vielzahl von Fans, Kunden oder wie man die Geldbringer auch immer nennen will.

Und was bleibt noch? Untergang der Sportstadt Hamburg, und wo bleibt das Engagement der Sponsoren?

Auch wenn eine Handballfirma, ein Volleyballteam oder die Cyclassic bald der Vergangenheit angehören, so verstehe ich die Trauer nur bedingt. Denn wenn ich als Kunde bis zu 50 – 70 Euro Eintritt zahle, erwarte ich Leistung. Und wenn ein Wirtschaftsunternehmen eine Radtour ausrichtet und dafür knapp 100 Euro verlangt, bin ich Kunde und die Nöte des Unternehmers sind nicht meine Sache.

Mir wird oft nachgesagt, ich sei kein richtiger Fan. Das mag sein, ich muss jeden Tag arbeiten gehen um Geld zu verdienen. Wenn ich Teile dieses Geldes verschenke um Gutes zu tun, erlebe ich eine große Befriedigung, aber wo ist der gute Zweck, wenn ich eine Sportveranstaltung besuche und immer wieder bestätigt bekomme, dass lediglich die Fans mit Herzblut dabei sind. Angestellte im Spielbetrieb und Manager der Geschäftsführung nutzen Sportveranstaltungen doch oft nur als Mittel zum Zweck.

Denn egal ob Handball oder Eishockey – zwei tolle Sportbetriebe – es sind keine gewachsenen Institutionen wie der HSV oder der FC St. Pauli, sondern aus München oder Lübeck eingekaufte Sportunternehmen. Und die in Hamburg gewachsene Cyclassics ist doch auch von einer guten Idee zu einem Wirtschaftsunternehmen gewachsen, welches zum Schluss in sich selbst viel zu viel Geld verschlingt.

Das klingt alles sehr nüchtern und ohne Herz, aber liebe Fans von Wirtschaftsunternehmen, es liegt an Euch in wieweit Ihr Euch auf deren Werben um Eure Gunst einlasst und Euer Herz an etwas verliert, was über das Herz nur den Geldbeutel erreichen soll.

Wenn ich mir jetzt überlege, dass eine Sängerin von ganz normaler Popmusik einen Vertrag von einer Plattenfirma über 90 Mio. Euro erhalten soll, frage ich mich wer soll dieses Geld bezahlen, außer die Kunden, die dann Fans genannt werden und völlig überteuerte Konzertkarten oder Platten kaufen müssen von einer Sängerin, die Bekannt gegeben hat, sich die nächsten Jahre eine Auszeit zu nehmen.

Aber das ist eine andere Geschichte, der Verlauf aber schon absehbar und die Tränen so sicher, wie jetzt bei vielen Freezers Fans.

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