Kochen – nur noch eine App?

Wenn ich nach meiner Leidenschaft gefragt werde, ist die Antwort einfach. Es ist die Fotografie. Dieses eine Wort „Fotografie“ steht für so viele Dinge. Es steht für sammeln, für Bilder gucken, für fotografieren, für handeln, für handwerken und so viele andere Dinge. Ähnlich wäre es mit der Antwort „Musik“. Auch dieses Wort steht für unendlich viele Stichworte, rund um die Musik.

Aber wie wäre das Äquivalent, also das entsprechende Wort, für jemand der gerne kocht, der Kräuter selber zieht, der Kochbücher sammelt, der auch gern isst und bei dem das Wort Kochen nicht nur in der Küche benutz wird? Nur „Kochen“ finde ich zu banal.

Diese Leidenschaft, die ich doch so gerne mit der Fotografie vergleiche, hätte ein anderes Wort als nur Kochen, als Beschreibung für eine Leidenschaft verdient. Es wäre ein Wort wie Kocherei, etwas anderes fällt mir im Moment nicht ein

Kochen, genau wie Fotografieren, ist ein Handwerk, welches ein gehöriges Maß an Kreativität verlangt. Es ist auf der einen Seite die Kreation, die Gestaltung und die Planung, und auf der anderen Seite, das Handwerk, das Beherrschen von Handwerkszeugen und letztlich die Freude an dem Erschaffenen.

Nun die Fotografie ist inzwischen weitestgehend zu einer Anwendung auf dem Smartphone verkommen. Selfies sind das meistfotografierte Motiv und die Bildbetrachtung findet überwiegend auf eben diesen Smartphones und im besten Fall noch auf Computermonitoren oder Fernsehgeräten statt.

Die Parallelen zur „Kocherei“ sind naheliegend. Der Kochherd hat bei vielen Menschen ausgedient und Sattmacher werden in Mikrowellengeräten zubereitet oder To Go beim Systemgastronomen mitgenommen.

Der Beruf des Fotografen, früher noch ein Lehrberuf, wird zunehmend von Menschen ausgeübt, die aus einer ganz anderen Richtung kommen, und genau wie viele Amateurfotografen Bilder zaubern, von denen der gute alte Handwerker nur träumt.

Ja, und auch in der Küche werden inzwischen Dinge gezaubert, zu der früher nur die Topleute der Zunft fähig waren.

Es war allerdings nur eine Frage der Zeit bis die Feinschmeckerküche genau wie die Fotografie zu einer simplen App verkommt. Der Thermomix hat auf dem Weg dahin schon viele Küchen revolutioniert. Es ist zwar immer noch handwerkliches Grundwissen notwendig aber das Kochen wurde deutlich vereinfacht. Völlig ohne Wissen schafft es jetzt jeder Kaffeewasseranbrennlasser ein hochwertiges Menü auf den Teller zu bringen. Heute las ich unter Stern.de von einer Küchenrevolution. Eine neue Maschine aus Frankreich, wird mit „Essenskapseln“ befüllt, die ähnlich einer Nespresso Maschine, am Ende wohlschmeckende Gerichte, wie z.B. ein Rinderfilet mit Soja und Honig, Mungosproßen, Ingwer und knusprigem Gemüse für rund 20 Euro, liefert. Ein Mikrochip macht es möglich, dass der jeweils richtige Garpunkt getroffen wird, nur das Anrichten bleibt noch dem Zubereiter überlassen.

Dann sag ich mal herzlichen Glückwunsch Ihr Köche. Ihr seit jetzt auf einer Ebene mit Musikern und Fotografen angekommen. Schon lange muss man keine Noten mehr kennen um Charthits zu produzieren. Und schon lange muss man nicht mehr wissen was eine Blende ist um traumhafte Fotos zu produzieren. Und jetzt muss man auch nicht mal mehr einen Herd besitzen um Spitzenmenüs zu kochen.

Es gibt also wieder ein weiteres Handwerk welches mit der Begründung des veränderten Lebenswandels kräftig Konkurrenz bekommt.

Ja der Lebenswandel ändert sich ständig. Ist es ein Zufall, dass auch die Zahl von Burnout Fällen, die Zahl der Singles und die Einsamkeit vieler Menschen ständig zunimmt?

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