Wider dem Aussterben eines ehedem tollen Hobbies…

Zugegeben, ich bin nicht mehr der Jüngste an Lebensjahren. Ich war in einer Zeit jung, in der richtige Kerle die Fotografie als Hobby hatten. Nach erfolgreicher Fotopirsch ging man in einen Raum, der als Dunkelkammer bezeichnet wurde, und entwickelte sogenannte Filme und machte Bilder als Negativ sichtbar. Mit Hilfe von Apparaten, Vergrößerungsgeräte genannt, wurden Bilder erstellt und stolz den Mitmenschen präsentiert.

Die Fotografischen Sporen musste man sich verdienen und sich langsam bis zu einer Spiegelreflexkamera hochdienen, die dann aber aufgrund des Wertes, dem Fotografen einen ganz besonderen Status verlieh. Bei unzähligen Diaabenden wurde er von seiner Familie und Freunden ob seiner Kunst bewundert, denn das gemeine Volk hatte maximal eine Pocketkamera, die aber nicht annähernd so tolle Bilder, wie eine Spiegelreflexkamera lieferte, die zu jener Zeit der Wunschtraum vieler kleinen und großen Jungs war.

Heute hat sich alles komplett verändert. Fotografen mit einer Spiegelreflexkamera werden oft kriminalisiert, sind es doch alles „Paparazzi und Spione, die Ideen klauen und unrechtmäßiger Weise Fotos erstellen“. Sicherlich gibt es sie noch, die begeisterten Fotografen – Inzwischen haben auch Frauen dieses Hobby für sich entdeckt, und zeigen den Betrachtern, dass deren Gefühl für Motive und Gestaltung, eine wertvolle Bereicherung der Fotografie ist – aber die Fotografie ist leider zu großen Teilen nur noch eine „App“. Und so werden inzwischen mehr als 80% aller Fotos nicht mehr mit einem Fotoapparat, sondern einem Smart Device aufgenommen. Auch wenn vielfach die Nutzung der Kamerafunktion von Smartphones verboten ist, wird diese Form des Lichtbildes als harmlos empfunden, und (fast) keiner stört sich daran wenn zu jeder Gelegenheit das Mobiltelefon aus der Tasche gezogen, und wie wild in der Gegend rumgeknipst wird und die Bilder umgehend in den verschiedenen Internetplattformen auftauchen. Persönlichkeitsrechte zu verletzen gehört hier zum guten Ton.

Smart Devices sind tolle Geräte. Bilder stehen sofort nach der Aufnahme, auf zum Teil riesigen Displays, zur Betrachtung zur Verfügung und sind im Nu mit der Welt geteilt. Grund genug für die Hersteller dieser Geräte die klassische Fotografie verdrängen zu wollen um neue Märkte zu öffnen und die eigenen Erträge zu steigern.

Aber wie wird sich die Fotografie dadurch entwickeln?
Das Smartphone wird zu einem zentralen Steuergerät. Die Optikeinheit dieser Geräte scant permanent die Umgebung. Aus dem Zusammenspiel zwischen GPS Unit und Motiv- und Gesichtserkennung erfolgt ein permanenter Datenabgleich mit der DataBase, in der ähnlich wie in iTunes, eine unermessliche Anzahl von Motiven abgespeichert sind. Hier gibt es, im ständig wachsenden Archiv, Masterfotos von Motiven, die unter optimalen Bedingungen aufgenommen wurden. Gegen eine geringe monatliche Gebühr erhalten Fotografen Zugriff darauf und können dann optimale Bilder und zahlreiche Variationen dazu herunterladen. Man ist nicht mehr darauf angewiesen zu bestimmten Zeitpunkten das Motiv abzulichten, denn es steht ja bereits in allen Varianten, inkl. HDR und Kugelpanorama, zur Verfügung. Bei Menschenaufnahmen gibt es ebenfalls dank der Gesichtserkennung ebenfalls ein breites Spektrum an bereits existierenden Bildern der Personen. Genau wie für alle anderen Motive, wird hierfür die Datenbank von fotocommunity, Google, facebook und all den anderen Plattformen genutzt.

Festangestellte Mitarbeiter, die für Mindestlohn beschäftigt werden, sorgen für ständige Erweiterung und Aktualisierung der Datenbanken, während andere Angestellte die Bildoptimierung betreiben und diverse Bildoptionen kreieren. All den Smartphone Fotografen wird ohne technischen Aufwand ein optimales Bildergebnis direkt aus der Cloud geliefert.

Individualität? Belichtungs- und Motivprogramme die vielfach Optionen für die kreative Fotografie waren, sind in Zeiten von Instagramfiltern völlig überflüssig. Spezielle Wünsche der Fotografen werden in den Settings des Smartphones hinterlegt und die Lernfunktion entsprechender App’s weiß bald welche Einstellungen bevorzugt werden. Selbstverständlich werden in den Archiven auch Alternativen bereit gehalten, so dass der User, wie der Fotograf jetzt heisst, die gewünschten Bilder auch in aktueller und gerade modernem Finish bekommen kann. Zum Schluss werden die Bilder in der „Persönlichen Cloud“ bereit gestellt und können beliebig „geshared“ werden.

Ich weiß, dass Ganze klingt sehr unwahrscheinlich, aber Großkonzerne haben so viel Macht und Geld zur Verfügung um die Meinungen der Generation „facebook und Instagram“ stark zu beeinflussen. Wer es nicht glaubt, kann ja mal überlegen was eigentlich der genaue Sinn von Wearables ist, und wie lange es noch dauern wird, bis eine Uhr, die eigentlich keiner benötigt und die stark kritisiert wird, nicht mehr von den Handgelenken der vielen Schönen und Reichen wegzudenken ist, und sogenannte Opinion Leader jedem klar machen was wirklich in ist. Und die lächerlichen Fotoapparate, und erst recht die ohne diese Displays im Sucher, sind nur was für die Generation, die kurz- bis mittelfristig ein Auslaufmodell ist, und eh schon keine Checkung mehr haben was wirklich geht – Alter.

…übrigens, die Idee der einheitlichen und genormten Fotos ist nicht neu. Früher hießen sie Postkarten und wurden mit einer handschriftlichen Notiz an Menschen geschickt um denen eine Freude zu machen, weil sie aufgestellt oder aufgehängt wurden und so immer wieder an Freunde erinnerten.

Freunde? Sorry das ist ein anderes Thema

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