Wenn wohnen zur Last wird.

Einen Ort zu finden an dem man gerne wohnen möchte ist nicht immer einfach, aber dennoch gelingt es den meisten Hamburgern einen Platz zu finden an dem man sich wohl fühlen kann.
Der eine liebt die alternative Lebensform, wie sie im Schanzenviertel oder in Ottensen gelebt wird, der andere mag es direkt auf der Partymeile Hamburgs, rund um die Reeperbahn, zu wohnen. Wieder ein anderer zieht die ruhige Lage rund um die Alster vor. Junge Familien wiederum nutzen die günstigen Wohnpreise rund um den Flughafen. Und ganz andere wollen mittendrin in der Stadt leben, dort wo immer was los ist.
Aber wie so oft, ist man oft nicht der Einzige, der die Vorzüge für sich entdeckt. So wollen inzwischen ganz viele Menschen mitten in der Schanze oder Ottensen wohnen. Die Folgen lassen nicht lange auf sich warten. Viel Nachfrage lässt auch die Mieten steigen was wiederum bestehende Strukturen zerstört, und das, was das Viertel einst lebenswert machte, ist bald nur noch eine Erinnerung an Früher.
Oder wohnt man erst mal dort wo man bis vor kurzen noch regelmäßiger Partybesucher war und ordentlich gefeiert hat, stört man sich auf einmal daran, dass aus den Clubs, Kneipen und Diskotheken Lärm auch noch nach 22 Uhr auf die Straße schallt.
Und auch die, die es aufgrund günstiger Kosten in die Nähe von Flughafem, Güterumgehungsbahn oder Autobahn zieht, entdecken auf einmal völlig überraschend, dass der Lärm doch lärmiger ist als gedacht.
Und die, die ganz ruhig an der Alster wohnen wollen, hätten doch wissen müssen, dass auch andere Menschen genau diese Ruhe genießen wollen. Und beim Ruhe suchen ist es dann doch oft unruhiger als zunächst angenommen.
All diesen Menschen haben eine Gemeinsamkeit. Das, was doch der Grund dafür ist, das man an eben diesem Ort wohnt, wird auf einmal ein Ärgernis. Man ärgert sich über den Untergang des Szeneviertels, obwohl die eigene Anwesenheit doch einer der Gründe ist, dass die Szene weiter wandert. Und die, die gerade nach St. Pauli oder an den Flughafen gezogen sind, sollten wissen, dass beides schon endlos lang genau so in dieser Form an dieser Stelle existiert.
Es bringt also überhaupt nichts sich regelmäßig über Sportveranstaltungen rund um die Alster aufzuregen. Ein so tolles Gebiet eigent sich halt hervorragend für Sportveranstaltung und das zum Teil schon seit 25 Jahren. Und Klagen gegen den Flughafenlärm ist genau so sinnbefreit, wie alabendlich Anzeigen gegen Clubbetreiber auf der Reeeperbaghn wegen Ruhestörendem Lärm zu erstatten.

Und genau so sah es am vergangenen Wochenende in Hamburg aus. 35.000 Harley Davidson Motorräder und deren FahrerInnen waren zu Gast in Hamburg. Sie, und rund 500.000 Besucher veranstalteten wieder mal eine riesige Party in Hamburg. Klar, dass es hier und da Stress gab und es auch mal richtig laut wurde. Der ein oder andere hat sicherlich über die Strenge geschlagen, aber unterm Strich bleibt Hamburg bei vielen Besuchern in positiver Erinnerung und viele werden sicherlich gern wieder kommen, dann gern auch ohne Motorrad. Ganz zu schweigen von dem Geld, welches dieses Wochenende in Hamburg ausgegeben wurde. Wie kleinkariert ist es sich über den Lärm dröhnender Motorräder aufzuregen, wenn man auf der anderen Seite doch ständig die zentrale Lage der eigenen Wohnung rühmt. Und wie liberal und weltoffen zeigen sich Zeitungen und Institutionen, die sich aufregen, nur des Aufregens willen und weil man dadurch ja den Stammkunden zeigt, dass man ganz in ihrem Sinne handelt.

Ich denke, die meisten Hamburger leben und wohnen in Hamburg, weil diese Stadt eine grandiose Mischung bietet. Veranstaltungen, Freizeitmöglichkeiten, zentrale Lage und all diese Dinge machen das Leben hier besonders lebenswert. Die Kritiker sollten sich mal überlegen was bleibt, wenn die Reeperbahn um 22 Uhr auf Zimmerlautstärke stellt, wenn Sportveranstaltungen oder die tollen Freiluftkonzerte nicht mehr genehmigt werden und wenn Motorradfahrer auf E-Bikes umsteigen würden?

Ich könnte es verstehen, richtig genervt zu sein, wenn man mittendrin zwischen dem weißen Dinner, dem Osterstraßen und Eppendorfer Landstraßenfest, Hafengeburtstag, Alstervergnügen, dem Hamburg Marathon, Cyclassics , Triathlon, den Harley Days oder dem Stuttgarter Weindorf wohnen würde und ständig den Lärm von Freiluftkonzerten im Volksparkstadion, dem Millerntorstadion oder dem Stadtpark ertragen müsste, aber dies Problem wird keiner haben, denn Hamburg ist doch groß genug all diesen Veranstaltungen Raum einzuräumen. Und nach ein paar Tagen ist doch alles wieder vorbei, aber an Hamburg und die Hamburger wird sich so mancher Besucher gern und positiv zurück erinnern.

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