Radfahren – darüber könnte ich endlos viel schreiben

Kaum können Kinder koordiniert ihre beiden Beine benutzen, wächst in ihnen der Wunsch Radfahren zu lernen. Und so kommt es dass  bereits im ganz jungen Alter zwei Räder zur Fortbewegung benutzt werden, und dies meist ein ganzes Leben bis ins hohe Alter so bleibt.

Zunächst ist es interessantes Spielzeug, später eine Hilfsmittel um sich unabhängig zu machen. Man kommt überall hin und ist nicht abhängig von den Eltern. Es ist ein Verkehrsmittel und wichtig um mobil zu bleiben. In der Stadt findet man überall einen Parkplatz und in ländlichen Gegenden kommt man überall hin, wo für motorisierte Verkehrsmittel kein Durchkommen ist. Und wenn man nicht mehr richtig gehen kann, sichert ein Zweirad oft einen gewissen Fortbewegungskomfort.
Gleichzeitig ist es aber auch Sportgerät. Vom BMX über Mountainbike und Rennrad bis zu den ganzen anderen Disziplinen bietet es eine Vielzahl von Möglichkeiten von sportlichen Betätigungen.
Auch viele Berufsradfahrer wären ohne Fahrrad aufgeschmissen. Die Kurierfahrer und Postboten bilden dabei eine nicht zu unterschätzende Gruppe. Und selbst in der Freizeit und im Urlaub ist es nicht wegzudenken. Egal ob es für den Abendausflug, die Tagestour, für einen Wochenendausflug oder die Reise in nahe und ferne Länder genutzt wird, auch hier ist es nicht wegzudenken.

So viel Spaß und Freude ein Fahrrad für mich und viele andere macht, soviel Ärger und auch Angst verbreitet es. Denn auch wenn jeder in der Lage ist Vortrieb per Pedalumdrehung zu erzeugen, so ist längst nicht jeder in der Lage ein Fahrrad auch verkehrsgerecht zu bewegen. Sicherlich sind die kleinen Pukyräder mehr ein Kindespielzeug, aber mit 10-12 Jahren sollte einem Kind durchaus klar gemacht werden, dass ein Fahrrad jetzt mehr als nur Spielzeug ist und ein Bestandteil des Straßenverkehrs darstellt.
In diesem Alter war ich stolz unter Anleitung von Verkehrspolizisten meine Fahrradführerscheinprüfung abgelegt zu haben. Ich habe eine Verkehrserziehung genossen, die es entweder heute nicht mehr gibt oder offensichtlich vielfach während der Pubertät vergessen wird. Anders ist es nicht erklärbar, dass sich rund um die Schulen besser keine Fußgänger auf den Fußwegen aufhalten sollten, denn oft würden sie einfach umgefahren werden, da Schulkinder offensichtlich die Welt um sie rum nicht warnehmen. Da helfen keine 30er Zonen oder ähnliche Verkehrsberuhigungen. Auf dem Weg zur und von der Schule können sich kleine Terroristen auf zwei Rädern ungestört entwickeln. Keiner kontrolliert das fehlende Licht in der Dunkelheit oder das verkehrswidrige Verhalten Fußgängern gegenüber.
Und so entwickeln sie sich munter weiter. Fußgänger sind oft ein beliebtes Opfer in dem Spiel aus Gedankenlosigkeit, Rücksichtslosigkeit, Dreistigkeit und Dummheit. Wer aber meint es sind überwiegend junge Leute, die ein solches Verhalten an den Tag legen, der irrt. Die Freiheit der Ellenbogengesellschaft wird in allen Altersklassen ausgelebt.

In Hamburg wird dem Radverkehr, senatsverordnet, künftig ein höherer Stellenwert eingeräumt. Es gibt spezielle Straßen für Radfahrer. Radfahrer bekommen Ihre eigenen Fahrstreifen auf der Straße und der Radverkehr soll einen großen Teil des Individualverkehrs ausmachen.
So weit so gut, es ist eine durchaus begrüßenswerte Entwicklung. Es gibt aber eine Problematik, die dabei nicht berücksichtigt wurde. Radfahrer sind oft einfach nicht verkehrskompatibel. Dies liegt nicht nur an der angesprochenen Gedankenlosigkeit sondern oft auch an dem Unwissen über Verkehrsregeln. Vielfach wissen Radfahrer einfach nicht wie sie sich im Verkehr zu verhalten haben.
Es geht zunehmend eine Gefährdung von Radfahrern aus. Mit den neuen elektrobetriebenen Fahrrädern sind auch Geschwindigkeiten zu erreichen, die durchaus gefährliche Situationen mit Autofahrern und Fußgängern verursachen können. Es gibt die Fahrradrambos, die sich durch Autoschlangen durchschlängeln oder auf Fußgängerwegen ihr Unwesen treiben. Gerade in belebten Einkaufsgegenden finden sie  ideale Lebensbedingungen. Quer auf dem Fußweg abgestellte Fahrräder sind genau so an der Tagesordnung wie aufgeregtes Wegklingeln aufgeschreckter Passanten, besonders gern wenn diese aus dem Bus aussteigen oder bei Ampelgrün den Fußgängerüberweg passieren wollen. Warum auch nicht, denn wenn es zu Zusammenstößen mit Mensch oder Auto kommen sollte, ist der Radfahrer schnell unerkannt um die nächste Ecke verschwunden.

Es ist aber nicht nur die Gefährdung anderer, es ist gleichermaßen auch die Eigengefährdung, die sich aus fehlendem Licht und falschen Verhalten ergibt. Autofahrer haben Radfahrer auf der falschen Straßenseite fahrend nicht im Blick. Und wild kreuzende Radfahrer sind genau so oft eine Überraschung wie Radfahrer die noch schnell bei rot über die Ampel schießen oder unbeleuchtet gang plötzlich vor dem Kühler herfahren.

Die Politik ist nicht nur gefordert, öffentlichkeitswirksam die Ökobilanz durch den Radverkehr zu verbessern, sie ist auch gefordert Mittel zu entwickeln, um die zunehmende Gefährdung durch den Radverkehr und der Radfahrer selber zu minimieren. Eine Einführung einer Führerscheinpflicht und eine Verpflichtung zur Kennzeichnung sollte unbedingt angedacht werden. Beides sind unerlässliche Mittel, die in der aktuellen Verkehrssituation unverzichtbar sind. Bisher kann jeder sein Unwesen als Fahrradrowdy ausleben. Mit einer Kennzeichnung, evtl. sogar einer Pflichtversicherung würde man der aktuellen Entwicklung sicherlich Rechnung tragen können.

Ich kenne all die Diskussionen in denen immer DIE Radfahrer und DIE Autofahrer Schuld an dem Übel sind. Beide müssen nebeneinander auf den Straßen auskommen. Nur um Verständnis für den jeweils Anderen zu haben, muss man wissen, wie der Andere tickt. Auch hier ist die Politik gefordert Voraussetzungen zu schaffen, dass Verkehrsteilnehmer bestimmte Grundbedingungen erfüllen müssen, bevor sie als Verkehrsteilnehmer mit erheblichem Gefährdungspotential zugelassen werden.

Hundebesitzer sollen eine Prüfung ablegen weil von dem Tier eine Gefährdung ausgehen kann. Aber ein Radfahrer der durch Unwissenheit möglicherweise schwere Unfälle mit Tanklastzügen und erheblichen Sach- und Personenschaden, verursachen kann, verschwindet einfach unerkannt, und bekommt im Zweifelsfall nicht mal die Folgen seiner Unachtsamkeit mit, denn durch die laute Bassmusik aus seinen überdimensionierten Kopfhörern bekommt er von der Umwelt und was dort pssiert oft nicht mal was mit.

Wie ich unter „Zur Person“ schreibe, möchte ich mit meinen Gedankenspielen Denkanregungen geben. Ich bin selber überzeugter Rad-, Auto-, Motorradfahrer und Fußgänger. Diesen Beitrag habe ich geschrieben nachdem ich zunächst auf dem Fußgängerweg in einer 30er Zone von Teenagern auf Fahrrädern per Sturmklingeln auf dem Schulweg zur Seite gescheucht werden sollte und mich ein wenig später von einem ca. 60 jährigen Radfahrer als Idiot habe beschimpfen lassen müssen. Nur weil ich weiterhin auf dem Fußweg gelaufen bin als er auf eben diesem mit seinem Fahrrad ohne das Tempo zu verringern direkt auf mich zuhielt. In einer 30er Zone sah er es nicht ein die Straße zu benutzen oder auf den neben dem Fußweg liegenden Radweg auszuweichen, sondern meinetwegen bremsen zu müssen. Er erwartete von mir, dass ich doch gefälligst ausweichen solle, und beschimpfte mich als einen verbohrten Idioten, denn was ist schon so schlimm mal auszuweichen…

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