Fotografie – Ein Hobby stirbt aus…

„Smartphones ersetzen Kameras“ – Diese Meldung ist nicht neu und leider auch bittere Tatsache.

Und so wird in einem aktuellen Artikel unter Sueddeutsche.de geschrieben:

„Die Nutzer erwarten nun auch von anderen digitalen Gerätschaften, dass man nicht dicke Handbücher lesen muss, um zu verstehen, wie man eine Nachtaufnahme macht oder wie man dafür sorgt, dass Innenaufnahmen bei künstlichem Licht keinen hässlichen Gelbstich bekommen.“

Nun generell kann ich diesen Wunsch verstehen. Aber diese beiden Aufnahmesituationen sind es, die eben nicht mehr so einfach im Ex und Hopp Verfahren umgesetzt werden können. Zwar gibt es in Pentax und vielen anderen Kameras seit Jahren auch einen Nachtmodus, aber auch der verlangt nach einem bisschen Verständnis.

Es wird in dem Artikel auch bemängelt, dass ein nachträgliches Aufspielen von Apps und eine folgende Bildbearbeitung nicht möglich sind. Im Falle von Pentax Kameras ist das zur Hälfte richtig. Es können keine Apps aufgespielt werden. Es sind aber schon hunderte Funktionen zur Bildveränderung bereits an Bord, die dann direkt nach der Aufnahme das Bild individuell verändern können.

Weiterhin wird ein von mir geschätzter Kollege zitiert, dass die Handhabung der Bilder so umständlich sei:

„Heute aber beginne nach einem Urlaub ein anstrengender Hürdenlauf. Die Bilder müssen zunächst auf den Computer geladen und dann die guten herausgesucht werden, man muss sie dann zu einem Labor schicken oder selbst ein Fotobuch gestalten. „

Dies kann man auch von einer anderen Seite sehen. Die Speicherkarte einer Kamera, kann im Gegensatz zu einem Smartphone, direkt in Terminals, z.B. in Drogeriefilialen, gesteckt werden und die schönsten Bilder ausgesucht werden, um davon Abzüge machen zu lassen. Was für ein Fortschritt zu Früher, wo man seine Filme zum Entwickeln gegeben hat, und erst dann die Bilder aussuchen konnte und auf den unbrauchbaren Abzügen sitzen blieb.

Sicher kann man vieles totreden. Aber eins sei mal sicher, Drei Sterne Küche können wir nicht aus der Mikrowelle erwarten. Wer genießen will, muss sich auch mit der Zubereitung beschäftigen. Und je gewöhnlicher das Alltagsmenü ist, desto höher wird die anspruchsvolle Küche geschätzt. Und ebenso ist es mit der Fotografie. Die vielen individuellen Möglichkeiten und Optionen machen den Unterschied zwischen der Allerweltsfotografie und dem anspruchsvollen Bild aus. Ein gutes Bild ist genau wie ein gutes Menü eine Komposition aus Zutaten und oft auch herkömmlicher Technik. Sicherlich kann auch die gehobene Küche totgeschrieben werden, weil das Gerede um Garpunkte, Röstaromen und Kupferbräter für die Benutzer einer Mikrowelle zu aufwändig ist, aber je mehr Menschen die Beliebigkeit von Mikrowellengerichten kennen lernen, desto mehr Menschen verspüren den Wunsch nach guter Küche. Die Medien haben dieses Thema schon längst für sich entdeckt und weiden es oft bis zur Langeweile aus.
Wie wäre es denn wenn die Medien die Fotografie nicht auch ständig kaputt schreiben würden, sondern einfach mal anfangen Foto als Trend zu sehen. Schon längst sind Fotoapparate keine Geräte mehr für Spezialisten, schon lange sind viele junge Leute unterwegs die vor Kreativität strotzen. Die beschweren sich allesamt nicht über zu komplizierte Technik sondern über eine zunehmend fotografenunfreundliche Gesellschaft. So haben Fotografen ständig mit sonst völlig harmlosen Passanten zu diskutieren, weil eben diese der Meinung sind, dass man gerade an dieser speziellen Stelle nicht fotografieren darf. Aus einem harmlosen Passanten kann da ganz schnell ein militanter Fotografenhasser werden. Fotos sind allgegenwärtig, aber die Streetfotografie und Panoramafreiheit werden zunehmend eingeschränkt, und die Veröffentlichung von Fotos nicht selten unmöglich weil irgendwelche Rechte verletzt werden. Fotografen werden da schon gern einmal als Feind angesehen. Als Beispiel sei da nur mal ein neugebauter U-Bahnhof in Hamburg genannt, der Fotografen magisch anzieht. Es sollte bloß kein Fotograf wagen dort ungenehmigt ein Stativ aufzubauen. Ein Sicherheitsdienst der besser an belebten Stellen Fahrgäste vor Betrunkenen und Randalieren schützen sollte, hat die Fotografen dieser sonst meist ausgestorbenen Haltestelle als dankbare „Beute“ erkannt, ein Machtspielchen zu betreiben.

Ich würde mir wünschen, dass der Fotografie von den Medien ein anderer Stellenwert eingeräumt wird. Was nützen die besten Unternehmungen von tollen Fotoevents, wie von der Firma Olympus mit dem Fotospielplatz, wenn dies von der breiten Öffentlichkeit kaum beachtet wird. Und was waren es für Zeiten als es auf der photokina noch ein Messestudio vom WDR mit täglichen Berichten gab? Ja die Zeiten haben sich geändert. Das Bild ist über die Jahre immer wichtiger aber auch immer beliebiger geworden.
Es wird nicht Zeit die Technik dermaßen zu verändern, dass diese auch einfach und beliebig wird, es wird Zeit, dass die Medien mit ihrer Allmacht, sich zwischen den ganzen Shows um Y und Z Prominente und Kochshows auch mal wieder anderen interessanten Themen widmen würden.
Die Fotografie würde sich dafür ganz hervorragend eignen.

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3 Gedanken zu “Fotografie – Ein Hobby stirbt aus…

  1. Wahre Worte, absolut.

    Aber gab es diesen Zwiespalt zwischen „echter Kamera“ und, sagen wir mal, Fuji-RitschRatschKlickSchmeissweg nicht immer schon ein wenig?

    Es hat nur an Fahrt aufgenommen, weil dank erst Foto-Handy und jetzt Smartphone nun einmal jeder ein Schnappschiesswerkezug an die Hand bekommen hat – und sich automatisch für das hält, für das auch jeder Besitzer einer DSLR sich hält.
    Letzterer oftmals mit nicht deutlich mehr Legitimation.

    Dass der Wert des Wahren, Guten und Schönen in der Öffentlichkeit und der öffentlichen Wahrnehmung immer weiter zurückgestellt wird, ist leider Teil der Gesellschaft und ihrer auch von den Medien gemachten bzw. vorangetriebenen Entwicklung (Stichwort „Bild Leserfoto“ u.ä.).

    Vielleicht sollte man das einfach ignorieren und ‚drüber stehen – und weiterhin schmunzeln, wenn der hippe Teenager mit dem LED-Blitz seines Smarthones die ganze Speicherstadt ausleuchten zu können glaubt.

    Grusels,
    Marco

  2. Den Vergleich zur Drei-Sterne-Küche finde ich sehr passend! Ich glaube jedoch nicht, dass es eine Tendenz gibt, dass das Hobby Fotografie ausstirbt, eher im Gegenteil. Wie hoch mag der Anteil an „Fotografen“ sein, die früher (und heute) mit einer (D)SLR herumgelaufen sind (und herumlaufen) und *ausschließlich* das grüne Programm eingestellt haben. Und das mit ihrem einzigen Super-Zoom-Objektiv, welches möglichst „alles“ (allein die Reduktion von „alles“ auf die Brennweite ist famos) abdeckt. Ich kenne so viele Menschen auch in meinem direkten Umfeld, die eine DSLR nutzen oder genutzt haben, nur um zu dokumentieren, nicht um zu fotografieren. Für viele ist die Handy-Knipse mit immer besserer Bildqualität der vernünftige, nächste Schritt. Sie (OK, nicht pauschalisieren, die meisten …) brauchen kein Spiel mit der Schärfe, keine Wechsel-Optiken mit verschiedenen „echten“ Brennweiten, interessieren sich nicht für Dynamikumfang, geschweige denn für „weiche“ Dinge wie Bildaufbau, Bildsprache usw. Insofern geht wohl der Absatz „echter“ fotografischer Geräte immer weiter zurück, aber der Anteil am Foto-Hobby Interessierten sollte da sogar ansteigen 😉

    PS: In Köln hatte ich im letzten Jahr am Mediamarkt auch meine Bekanntschaft mit dem Vor-Ort-Sicherheitspersonal gemacht. Mir war gar nicht klar, dass dieser öffentlich zugängliche Platz gar nicht mal so öffentlich ist, wie ich zuvor immer glaubte. Irrwitzig.

  3. Pingback: Hier ein Kommentar zur Fotografie … | BilderStörung

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