Buchbesprechung „Der Ruf des Kuckucks“ von Robert Galbraith und „Schattenbombe“ von Hannes Nygaard

Das schöne an so einem Blog ist ja, Jeder kann, aber Keiner muss.

Es ist Jedem selber überlassen ob er die Ein- und Ausfälle des Autors lesen möchte oder diese Zeilen nur als Gelabere und Gemeckere abtut.

Ich möchte heute wieder mal eine Buchkritik zum Besten geben. Dabei ist meine einzige Befähigung dies zu tun, der Wunsch mich beim Lesen zu unterhalten und im besten Fall auf der letzten Seite ein Bedauern zu verspüren, dass das Buch schon zu Ende ist.
Bei der Besprechung des ersten Buchs möchte ich schon so viel vorwegschicken, ich war froh das Ende der Geschichte erreicht zu haben.

„Der Ruf des Kuckucks“ von Robert Galbraith

Nach dem ich mit viel Freude die gesamte Harry Potter Reihe verschlungen habe, war ich gespannt wie es weiter gehen wird. Vor einiger Zeit ging ein Gerücht durch die Medien, welches sich später als Tatsache bestätigte. J.K. Rawling hat unter dem Pseudonym Robert Galbraith den Kriminalroman „Der Ruf des Kuckucks“ veröffentlicht.

Ein berühmtes Model begann hierin Selbstmord. So schien es jedenfalls. Der Bruder hatte so seine Zweifel und beauftragte einen Privatdetektiv. Der etwas heruntergekommene ehemalige Militärpolizist Cormoran Strike kam von einem militärischen Einsatz in Afghanistan schwer verwundet zurück und konnte durch eine Unterschenkelamputation nicht mehr als Soldat Dienst tun. Und so verdingt er sich als Privatdetektiv, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Da kam der Auftrag eines reichen Anwalts sehr gelegen, den Tod seiner wohlhabenden, und als Model sehr erfolgreichen, Schwester aufzuklären. Bei den Ermittlungen drang er immer weiter in das Leben der Reichen und Schönen ein. Die Lösung des Falls war so nicht vorhersehbar und nahm die ein oder andere interessante Wendung.

Der Autor beschreibt das Leben des Protagonisten und seine Beziehungen bis ins kleinste Detail. Dies ermöglicht dem Leser eine Nähe zu den Personen und Orten, die näher fast nicht sein kann. Diese Liebe zu den Einzelheiten und Kleinigkeiten der Geschichte ist aber gleichzeitig auch das, was meinen Lesefluss hemmte. So wurden Kleinigkeiten auf mehreren Seiten beschrieben und ich hatte als Leser das Gefühl nicht wirklich weiter in der Geschichte zu kommen.

Auf 638 Seiten wurde eine Kriminalgeschichte hervorragend und brillant beschrieben. Die Spannung und der Lesedrang gingen allerding genau durch die detaillierte Beschreibung verloren.

Ich empfinde den Roman nicht als Krimi im herkömmlichen Sinne. Es ist aber eine wunderbare Erzählung rund um einen Privatdetektiv, der versucht sein Leben in Griff zu bekommen und dabei seinen Job zu erledigen.

Dieses Buch ist kein Thriller und es fehlen Spannung und Tempo, aber es ist ein hervorragend geschriebener Roman im Krimi Genre.

Der Ruf des Kuckucks von Robert Galbraith
Erschienen im blanvalet Verlag, Hardcover 22,99 Euro

„Schattenbombe“ von Hannes Nyygard

Da es mit dem Lesen des obigen Romans sehr lange gedauert hat, war ich schon sehr gespannt auf das was da als nächstes kommen wird. Einer meiner bevorzugten Autoren, Hannes Nygaard, beschreibt in seinen Büchern Kriminalfälle die vornehmlich in Schleswig Holstein spielen. Dabei gibt es drei Ermittler die in verschiedenen Fällen immer wieder zu ihren Einsätzen kommen. Da ist zum einen Frauke Dobermann. Die wohl auch aufgrund ihres Verhaltens, in dem sie ihrem Namen alle Ehre macht, von Flensburg an das LKA Hannover versetzt worden. Von Flensburg aus, war sie in einigen Fällen vorgesetzte Ermittlerin des Kriminalposten in Büsum, auf dem Kriminalhauptkommisar Christoph Johannes mit seinem Kollegen Wilderich Große Jäger, auf zum Teil recht unkonventionelle Weise, Ihre Fälle lösen.

Der dritte Schwerpunkt liegt in Kiel. Beim dortigen LKA versieht Kriminalrat Dr. Lüder Lüders seinen Dienst. Am liebsten ist er Vater und Ehemann, aber in seiner Position beim polizeilichen Staatsschutz, ist er ein erfolgreicher Polizist mit hoher Durchsetzungskraft, den Verbrechern, seinem ungeliebten Vorgesetztem aber auch Landes und Bundesbehörden gegenüber. Die Tatsache, dass er seinen Status und Posten seinem Können verdankt und nicht etwa irgendwelchen Seilschaften oder Beförderungsgeilheit, macht ihn zu einem sehr sympathischen Ermittler.

Und als genau dieser, saß er im aktuellen Roman „Schattenbombe“ von Hanns Nyygard am Schreibtisch, um der täglichen Routinarbeit nachzugehen als er von seinem Vorgesetzten zu einem Verkehrsunfall geschickt wurde, bei dem offensichtlich etwas nicht stimmt, und die Beobachtungsgabe von Lüders nicht unwichtig sein könnte. Hier gab es durch eine Detonation mehrere Verletzte und Tote.

Ganz unspektakulär, aber sehr spannend, wird beschrieben wie Lüders mit normaler Polizeiarbeit zu Erkenntnissen kommt, die den Start einer Geschichte bildete, die wieder mit allem gespickt ist, was einen interessanten Krimi ausmacht. Da sind kriminelle Machenschaften von vermeintlichen Glaubenskriegern auf der einen Seite, und national geprägten Gruppen auf der anderen Seite. Beide Gruppen sind nur schwer aufzuklären. Und so bedient sich Lüders auch Aktionen, die so nicht unbedingt den Dienstvorschriften entsprechen. Bei der Aufklärung lernt er spezielle Charaktere, mit verschiedener politischer Meinung, kennen.

Das Einmaleins der Polizeiarbeit und eine gehörige Portion Verstand führen den Polizisten schließlich nach Bayern, wo er ein Verbrechen verhindern will. Hier beschreibt der Autor, dass zwischen Kiel und München doch mehr als nur die sprachlichen Hürden liegen.

Hans Nygaard beschreibt in seinem aktuellen Roman neben der Polizeiarbeit auch Örtlichkeiten in einer Perfektion und auf eine Weise, die sogar Ortsunkundigen sofort in die Lage versetzt, sich an den beschrieben Orten perfekt orientieren zu können.

Mit dem Roman Schattenbombe gelingt es Hannes Nygaard wieder einmal mehr, eine Geschichte voller Spannung zu erzählen, die so täglich passieren könnte. Anspielungen auf die Aufklärungswut der amerikanischen Behörden und Seitenhiebe auf die NSA tragen positiv dazu bei.

Ich kann die neuste Geschichte um Lüder Lüders jedem Krimileser wärmstens empfehlen. Es ist eins dieser Bücher, bei denen man bedauert das Ende erreicht zu haben.

Bleibt nur die Hoffnung auf weitere Geschichten von Hannes Nyygaard, und zwar schnell.

Schattenbombe von Hannes Nyygaard
Erschienen im emons Verlag, Taschenbuch 9,90 Euro

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