Wenn Behörden sich selber nicht mehr vertrauen

Können Sie beweisen, dass Sie wirklich die Person sind, die Sie vorgeben zu sein?
Das klingt nach mächtig Ärger, ist aber eine recht lustige Geschichte.

Meine Frau wollte bei der für uns zuständigen Meldebehörde Ihren Personalausweis erneuern.  Eigentlich kein Thema, sind wir doch im örtlichen Amt für Meldewesen seit Jahren erfasst. So wurde von eben dieser Behörde schon einmal ein Ausweis problemlos ausgestellt. Nur diesmal sollte es so einfach nicht sein. Als Beweis, dass meine Gattin unseren gemeinsamen Nachnamen zu Recht trägt, muss sie jetzt unsere Hochzeitsurkunde beibringen, sonst gibt es keinen Ausweis. Bis jetzt hatte ich eben diese Urkunde als reine Hardcopy von dem gesehen, was ohnehin schon im Computer der Meldebehörde unter Stammdaten zur Person stehen sollte. Aber das ist wohl nicht so. Und so erklärte die zuständige Sachbearbeiterin, dass dieses Gesetz neu ist, und ohne Hochzeitsurkunde kein Ausweis mehr ausgestellt werden kann.
Wenn die deutschen Ämter so schlecht Bescheid wissen, sollten die Kollegen der Stadtverwaltung mal beim amerikanischen Geheimdienst nachfragen, dort sind solche Dinge wahrscheinlich auf Tastendruck verfügbar.

Das mit dem Tastendruck hatte ich allerdings schon einmal falsch eingeschätzt. Es begab sich vor einigen Jahren, als eben diese meine jetzige Ehefrau heiraten wollte. Zu dem damaligen Zeitpunkt war es noch so, dass man ein Aufgebot bestellen, und dies eine bestimmte Zeit aushängen musste. Nach langer Wartezeit vor dem Standesamt kamen wir endlich kurz vor Ende der Publikumszeit an die Reihe. Auch hier war die Sachbearbeiterin sehr nett und zuvorkommend. Erst als sie nach der Ledigkeitsbescheinigung verlangte, gab es Unmut. Denn wir mussten zum Einwohnermeldeamt. Welches zwar nur 2 Türen weiter war, aber durch den nahenden Schluss für Publikumsverkehr und die hoffnungslos überbuchte Wartenummernausgabe für uns an diesem Tage unerreichbar. So wurde es also an diesem Tage nichts mit Aufgebotbestellung. Verschwendeter freier Tag, Hochzeitstermin in Gafahr, und noch mal alles zurück auf Los.
Dabei wäre doch alles so einfach gewesen. Ging ich doch davon aus, dass Frau Standesamt den gleichen Zugang zu den Daten von Herrn Einwohnermeldeamt hat. Aber die Gebührenmarke muss halt von der richtigen Stelle zum richtigen Zwecke ausgestellt werden.

Wer bei diesen Zeilen an Reinhard Mey und den Antrag auf Erteilung eines Antragformulars denkt, liegt so falsch nicht. Aber wie bin ich eigentlich darauf gekommen, ach ja, jetzt wird sie endlich einmal gebraucht, eins der drei Exemplare dieser Urkunde, die wir damals gegen Bezahlung der Gebührenmarke erhielten.
Wahrscheinlich hat man die Nachweispflicht nur deswegen eingeführt um der Hochzeitsurkunde eine Berechtigung zu verleihen.

Übrigens war der Weg meiner Gattin zur örtlichen Meldedienststelle nicht ganz so vergebens, den man hat das Personaldokument schon mal bestellt, weil meine Frau glaubhaft versicherte, dass sie genau so heißt, wie es eben auf dieser Urkunde vermerkt ist. Sie muss es wissen, schließlich lebt sie seit mehr als 25 Jahren mit diesem Nachnamen und bisher hat die Behörde auch genau an diese Person, die sie jetzt bezweifelt, wirklich die zu sein, die sie vorgibt zu sein, wichtige Unterlagen wie Wahlbenachrichtigungen und Unterlagen zur Volkbefragung verschickt.

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