Das Politikum „Der Jogger“

Der Hamburger Abgeordnete Andreas Wankum hat ein neues Feindbild in Hamburg ausgemacht.
Fahrradfahrer haben jetzt ihre Ruhe, denn Herr Wankum macht jetzt mobil gegen die „Aggrojogger“.

Sicher ist dies ein nicht zu unterschätzendes Problem. Passanten werden zur Seite gedrängelt oder erschreckt durch eben diese aggressiven Jogger.
Eine kleine Anfrage an die Hamburger Bürgerschaft ist verschickt, und somit sicher gestellt, dass dieses Problem öffentlichkeitswirksam behandelt wird.
Auf zur neuen Runde im Wahlkampf.

In eigener Sache möchte ich aber einmal vor den „Smartphonetrotteln“ warnen. Der Blick starr auf das Display gerichtet, egal ob im Auto oder zu Fuß, oder mit der Quatschkiste am Ohr, ist diese Spezies meist gefangen in einer eigenen Welt und immer total überrascht wenn plötzlich ein Läufer direkt vor der eigenen Nase auftaucht oder man überholt wird.
(Ein Hupen bei nichtreagieren an einer grünen Ampel wird übrigens nicht selten mit bösen Blicken oder dem Zeigen eines Mittelfingers quittiert)

Außerdem sind da noch die „Gruppenmütter“ zu nennen, die, egal wie breit der Weg ist, der Meinung sind, das Recht zu haben zu dritt oder zu viert nebeneinander die Kinderwagen schieben zu müssen. Ich rate jedem, bloss nichts zu sagen oder um Platz zu bitten, um vorbei laufen zu können, ein giftiger Blick und Betitelung als kinderfeindlich sind noch die harmlosesten Reaktionen.

Auch nicht zu vergessen, die unsportlichen Personen, die meinen 2 Stöcke reichen aus, um sich Sportler nennen zu können. Sportliches Verhalten ist allerdings viel zu oft nicht zu erkennen. Ausweichen oder moderates Nebeneinanderwalken sind bei diesen Spaziergehern sehr oft leider die Ausnahme.

Und dann sind da noch die Hundebsitzer. Verzweifelte und wiederholte „HIIIAAA“ Rufe sind ein untrügliches Zeichen für einen herannahenden Konflikt.
Besonders gern anzutreffen in den nahen Naturschutzgebieten, in denen ich regelmäßig laufe, weil der Hund ja auch das Recht hat über die Felder zu toben und im Zweifelfall mit Rehen oder andern Tieren zu spielen.

Dies sind nur einige Gruppen, mit denen es regelmäßig beim Laufen Stress gibt. Klar, dass bei so einem Verhalten der Läufer schnell der Aggrojogger ist…

Und wenn wir schon bei aggressiven und rücksichtslosen Läufern sind, können wir  gleich auch die Beschwerden diverser Alsteranwohner dazu nehmen, die sich beschweren, dass in Hamburg viel zu viele und ständig Laufveranstaltungen stattfinden, und die Zufahrt zum eigenen Heim „permanent“ durch eben eine dieser unzähligen Laufveranstaltungen blockiert ist.

Ja, wenn 4x im Jahr jeweils zwischen 5.000 und 20.000 Läufer um die attraktive Außenalster laufen, ist diese Störung nachvollziehbar, schließlich ist ja so ein Alsteranwohner nicht irgendwer. Was gilt dagegen der gemeine Läufer. Und so als Journalist bekommt man dann ja auch gerne die Plattform gestellt, über diese Läufer zu schimpfen.

Ja der Jogger eignet sich hervorragend als Sündenbock, sorgt er doch jetzt im Sommer auch noch zu allem Überfluss für erhöhte Krankenkassenkosten, durch unkontrollierte Hitzeläufe.

Es sind übrigens nicht alle Smartphonebesitzer abgelenkt, nicht alle Mütter rücksichtslos, nicht alle Walker unsportliche Hindernisse mit 2 gefährlichgen Waffen gegen Läufer, nicht alle Hunde reißende Bestien, und nicht alle Alsteranwohner beschweren sich über die Läufe vor der Haustür.  Genau so wenig wie alle Jogger aggressiv sind. Aber eins möchte ich einfach mal verallgemeinern. Der Politiker an sich ist Geltungsbedürftig und sich nicht zu schade aus der kleinsten Nebensächlichkeit ein Politikum zu machen um auf sich aufmerksam zu machen.
Und dann wundern sich die Herrschaften über Interessenlosigkeit an der Politik und über Politikverdrossenheit….

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