Die großen Irrtümer der Fotografie – Heute: Die Kamera macht aber tolle Bilder

Es waren Kodak Instamatic und Pocket Kassettenkameras, mit denen ich schon in meiner Kindheit gerne fotografierte. Und, von allen Seiten hörte ich was die Kamera doch für tolle Bilder mache.
Nun, mein Interesse an der Fotografie nahm zu, und ich schaffte mir eine Spiegelreflexkamera an. Und keiner war mehr begeistert. Denn diese Kamera machte schlechte Bilder. Sie waren falsch belichtet und unscharf, mit einem Wort: unbrauchbar.
Nun dauerte es einige Zeit und viel Lehrgeld, bis die Einsicht kam, dass nicht die Kamera Schuld an guten bzw. misslungenen Fotos meiner Fotojugend war.

Heute, 30 Jahre später, in Zeiten von Fotocommunities in dem weltweiten Internet, werden wir geradezu mit Bildern überschüttet, und ich lese häufig Kommentare wie: „Das ist aber ein schönes Bild, mit welcher Kamera hast Du das denn gemacht?“.
Solch ein Beitrag zeigt mir, da ist wieder mal jemand, der es noch nicht richtig verstanden hat. Denn nicht die Kamera, sondern der Fotograf macht das Bild!
Die Kamera ist nur ein Werkzeug, genau wie eine Drechselmaschine, genau wie ein Pinsel oder ein Schnitzmesser. Und niemals würde ein erfolgreicher Schriftsteller nach seiner Schreibmaschine gefragt, auf dem seine Meisterromane entstehen.
Auf der anderen Seite ist die Fotoindustrie aber ganz groß in ihren Versprechen. Die vielfältigen Motiv-, Szenen- oder Picture Programme mit automatischer Motiverkennung und Gesichtserkennung sollen aus jedem der einen Fotoapparat halten kann, einen Meisterfotografen machen. Aber klappt das wirklich?
Noch mal zurück zum Werkzeug – denn nichts anderes ist so eine Kamera. Im Grunde genommen reicht dieses Loch in der Optik mit seinen unterschiedlichen Durchmessern (die Blende) und eine Vorrichtung, die die Zeit steuert in der das Licht durchgelassen wird (der Verschluss). Mit der Steuerung dieser beiden Faktoren können Fotografen geradezu zaubern. Je nachdem wie intensive sie diese Zauberei betreiben, wird sich auch ihr Werkzeug verändern. Viele technische Raffinessen, heute auch gerne Features genannt, vereinfachen den Weg zum Foto, sind aber nicht verantwortlich für ein gutes Bild.
Schauen wir doch einmal zu den Zauberern in der Küche. Dort finden wir Kochherde, verschiedene Töpfe, Pfannen, Messer, sonstiges Zubehör und vor allem viele lecker riechende Zutaten. Köche auf verschiedenen Könnens Stufen  bereiten daraus leckere Gerichte. Der Spitzenkoch benutzt für die Zubereitung allerfeinste Edelstahltöpfe,  Keramikmesser und einen Hochleistungsherd. Er würde aber auch mit einer normalen Stahlklinge und einer einfachen Kochplatte ein Menü kreieren können, welches das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Im Gegenteil wird es dem Koch-Novizen selbst mit dem besten Zubehör und dem hochwertigsten Herd nicht gelingen, dem Spitzenkoch das Wasser zu reichen.
In der Fotografie, in der Küche und in so vielen Handwerken, ist die Grundvoraussetzung für gute Ergebnisse eine genügende Portion Wissen, Erfahrung, Interesse und auch etwas Talent.
Die beste und teuerste Kamera nützt nichts, wenn man sie gar nicht bedienen kann, wenn das Auge das Motiv nicht sieht und der Verstand es nicht fotogen umsetzen kann, denn das Bild entsteht nicht in der Kamera, sondern im Kopf des Fotografen. Erst wenn der Fotograf das Zusammenspiel von Motiv, Licht und Technik beherrscht, kommt hinten das raus, was wir so gern sehen, ein Bild. Ein Bild an dem das Auge hängen bleibt und die Geschichte, die damit erzählt werden soll, erkennt. Ein solches Bild einfach als „schön“ zu bezeichnen, tut dem Fotografen unrecht. Und ihn dann mit der Frage nach der Kamera auf die Technik zu reduzieren, zeigt, dass es noch viel zu lernen gibt.
Übrigens, kann der Einsatz von all den elektronischen Möglichkeiten ein Bild per Software in einem dieser unzähligen Bildbearbeitungsprogramme zu verändern, nicht von den Unzulänglichkeiten bei der Aufnahme ablenken.
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