Fotografieren verboten…

…oder Sie dürfen hier nicht fotografieren. Diese Worte an mich ausgesprochen, stellen mich gefühlsmäßig immer wieder auf eine Stufe mit Schwerverbrechern.

Aber dabei tun sie doch nichts Schlimmes diese Fotografen. Sie halten Erinnerungen fest. Auf keiner Feier dürfen sie fehlen, sie gelten als Archivare der Gegenwart, sie halten den gegenwärtigen Zustand für die Nachwelt fest. Keine Zeitung oder Zeitschrift kommt ohne Bilder aus. Unser ganzes Leben wird durch Fotos bestimmt. Und doch hört man tagtäglich beim Ausüben seines Hobbys diese so verächtlich gesprochenen Worte: „Sie dürfen hier nicht fotografieren“. Ich habe oft das Gefühl auf einer Ebene mit übelsten Gaunern auf einer Ebene betrachtet zu werden.

So wurde ich jüngst von zwei Wachmännern der U-Bahnwache in dem neu errichteten Bahnhof Überseequartier der U4 angesprochen. Um es vorweg zu nehmen, ja ich war im Unrecht. Sagt doch die Hochbahn klipp und klar, dass das Fotografieren in Bahnhöfen verboten ist. Es ist wohl auch recht unkompliziert eine Genehmigung für „Foto- und Filmaufnahmen“ zu bekommen, aber hey, 2 Wochen Schnupperbetrieb mit kostenloser U-Bahn Mitfahrt, Promotionteams und vielen Wachleuten und Hochbahnbediensteten, die mir schon öfter an dieser Stelle zugeschaut haben ohne etwas verbieten zu wollen, hatten mir das gefühlte Recht gegeben es halt ein weiteres Mal zu versuchen.

So hatte ich es auch noch recht locker genommen, als zwei dieser Wachleute drohend auf mich zukamen und mich aufforderten unverzüglich meinen Fotoapparat einzupacken.

Na ja ich habe es sportlich genommen und in Ruhe meine Sache zusammen gepackt. Die Mädels neben mir, die Bilder mit Ihrem Smartphone machten, fanden das lustig und hielten die Linse gleich auf die Ansammlung von mir und 2 Wachleuten, in der Hoffnung, dass gleich etwas aufregendes passieren müsse.

So im Weggehen überlegte ich mir, warum es immer wieder zu Schlagzeilen kommt, dass Menschen in der Bahn oder auf Bahnhöfen ausgeraubt werden oder gar zum Teil schwer zusammengeschlagen werden, wenn es doch so hoch motivierte Wachleute gibt, aber wahrscheinlich sind die dann immer mit irgendwelchen Fotografen beschäftigt um diese an Straftaten zu hindern.

Nicht weniger nachdenklich machte mich eine Fotoexkursion mit einem Fotofreund durch die Schanze. Sein fotografischen Ziel waren die auf der Straße zum Kauf angebotenen Heidekräuter eines Floristik Fachgeschäftes. Keine Minute dauerte, als eine junge Dame in der Ladentür erschien und die wohl bekannten Worte aussprach „Sie dürfen hier nicht fotografieren“.

Jede Diskussion von mir brachte nichts, ich sprach mit einer Mauer mit gefestigter Meinung wahrscheinlich durch die Chefin vorgeschoben, denn begründen konnte sie dieses Verbot nicht wirklich nachvollziehbar.

Diese Beispiele ließen sich fast endlos fortsetzen, und je aufwändiger die Ausrüstung aus Kamera, Objektiv und Stativ, desto größer die Gefahr angesprochen zu werden.

Nun gibt es in fast jedem Haushalt mindestens einen Fotoapparat, und in jedem 2. Haushalt ein Telefon mit eingebauter Fotografierfunktion. Man sollte meinen, die Fotografie ist längst ein Teil unserer Gesellschaft geworden. Aber je anspruchsvoller der Fotograf auftritt (und dessen Ergebnisse allenthalben gewürdigt werden) desto wahrscheinlicher ist es mit Verbrechern und Aussätzigen auf eine Stufe gestellt zu werden.

Ja, ja das schwere Los der Fotografen, aber eigentlich tun sie niemanden etwas Böses, diese Hobbyfotografen, die tolle Bilder für ihre Webseite oder eine der zahlreichen Fotocommunities machen. Eigentlich sollte man sie mögen. Leben doch auch ganze Wirtschaftszweige von diesen lustigen Käuzen, die oft ihr letztes Geld für ihr Fotohobby ausgeben.

Wann kapieren es die Unwissenden, dass die mit der großen Ausrüstung die Guten sind. Die Spanner, Spione, Verbrecher und andere, die Böses im Schilde führen, bauen keine Mittelformatkamera auf ein Stativ um an einem Motiv eine halbe Stunde rumzudoktern. Diese Spezies werden überhaupt nicht bemerkt, sie verrichten ihre Machenschaften im Stillen und ganz unauffällig. Und an denen würden sicherlich auch meine beiden neuen Bekannten vom Wachschutz kapitulieren, zu gewitzt sind die, die Böses im Schilde führen. Und wenn ein Paparazzo tätig wird, bekommt es eh keiner mit.

Übrigens auf die Frage, warum denn das Fotografieren verboten sei und ich es hier nicht dürfe, erhalte ich regelmäßig die Antwort. „Weil es verboten ist…“.

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